Das nach dem Amoklauf in Winnenden gegründete Aktionsbündnis hat ein Positionspapier als Appell an den Deutschen Bundestag gesandt.
Ich bin wieder einmal völlig entgeistert davon, wie hier zwei für mich offensichtlich unterschiedliche Dinge über einen Kamm geschoren und verwirrend vermischt werden: Computerspiele und Waffen.
Grundsätzlich verstehe ich den Wunsch nach einer Gewaltlosigkeit an Schulen. Ebenso verstehe ich die Forderung, den Besitz von großkalibrigen Waffen für Privatleute zu verbieten. Was ich allerdings nach wie vor nicht verstehe: Was haben Computerspiele damit zu tun??
In dem lächerlich hochgestochen formulierten Papier [1] wird unter anderem angeführt:
Zudem verfügen die Täter über enorme Treffsicherheit, was auf eine jahrelange
Übung mit Schusswaffen und gewaltrelevanten Computerspielen zurückzuführen ist.
Treffsicherheit durch Computerspiele…? Der Schreiberling hatte entweder noch nie eine Waffe oder noch nie eine Maus in der Hand.
Dies ist wohl die geeignete Stelle, um klarzustellen, dass ich die Forderung nach dem Verbot großkalibriger Waffen unterstütze, aber nicht die nach der Abschaffung bzw. dem Verbot von sogenannten gewaltrelevanten Computerspielen.
Übrigens: Was soll denn gewaltrelevant bedeuten? Ich halte das für so eine Wortkonstruktion, die entsteht, wenn jemand gestelzt daher reden möchte, aber keine Ahnung von Fremdworten hat.
Wenn hier irgendeine Formulierung richtig ist, dann ist es wohl eher “Computerspiel mit Gewaltanteilen”, also ein Spiel, bei dem die Anwendung und Auswirkung von Gewalt einen mehr oder weniger hohen Stellenwert hat.
Das Papier schließt mit einer Forderung:
Unser Appell lautet:
Verbot von Killerspielen, die dazu dienen, virtuell Menschen zu ermorden.
In der Kommunikationstheorie lernen wir, dass jede Nachricht einen Appell beinhaltet. In diesem Zitat erkenne ich den Appell, den Urheber nicht auf die Bedeutung der Worte festzunageln, da er sie völlig falsch verwendet.
Was soll denn ein Killerspiel sein? Wenn Kinder Cowboy und Indianer spielen, ist das dann schon ein Killerspiel?
Was soll denn virtuelles Ermorden sein? Sie verstehen das auch nicht? Prima, dann sind wir schon zu zweit.
Genau so ein Problem habe ich mit dem Begriff “Mord”, der hier einfließt. Mord bedeutet Vorsatz, niederer Beweggrund und jede Menge anderes juristisches Bla bla. Wenn ich z.B. Call of Duty oder ein anderes First-Person-Spiel spiele, dann habe ich keine niederen Beweggründe und auch keinen Vorsatz. Ich “kämpfe” als Soldat in diversen Missionen und in der Regel heißt es in diesen Spielen “Er oder ich”, was eine Situation der Selbstverteidigung herbeiführt.
Außerdem sind derartige Handlungen vom Humanitären Völkerrecht in bewaffneten Konflikten abgedeckt – also kein Mord.
Um mal so langsam zum Schluss zu kommen:
Ich unterstütze alle Forderungen, die verhindern, dass Kinder oder Jugendliche leichten Zugang zu Waffen haben. Im Grunde genommen gibt es nahezu keinen Grund, warum eine Privatperson Waffen besitzen sollte.
Weiterhin unterstütze ich alle Forderungen, die darauf abzielen, Kinder vernünftig zu sozialisieren und den Wert eines menschlichen Lebens dauerhaft in ihren Köpfen zu verankern.
Schlussendlich wünsche ich mir, dass Aktionsbündnisse, wie das in Winnenden, zurückfinden zur Sprache der normalen Menschen und hin und wieder mal ihren Kopf benutzen, bevor die derartige Schriftstücke von sich geben. Bei aller Solidarität, die ich mit den Trauernden habe, finde ich es zutiefst beschämend, wenn ohne nähere Kenntnis und entgegen wissenschaftlicher Meinungen Computerspiele zum Sündenbock gemacht werden, wo in Wirklichkeit die Eltern und andere Bezugspersonen schon lange vorher versagt haben müssen.
Mehr sage und erkläre ich hier nicht – benutzen Sie doch bitte Ihren eigenen Kopf oder lassen Sie weiterhin woanders denken.