05.10.2010
Wann oder warum sollte man sein Passwort wechseln?
Weil Sascha das in einem Kommentar zu meinem Artikel über Umdenken beim Thema Passwortsicherheit erwähnte und das Thema nicht unwichtig ist, widme ich dem einen eigenen Artikel.
Wenn man sich in irgendeinem Webportal, bei einem Provider oder sonst wo angemeldet hat, dann geschah das in der Regel mittels Festlegung einer Kombination aus Nutzername und Passwort.
Wie ich ja bereits in der Einleitung zu meinem o.g. Artikel erwähnte, ergab eine Studie, dass 41% der Bundesbürger ihr Passwort nie wechseln.
So selbstverständlich ist das für den Laien auch nicht, also fragt er sich:
Warum sollte ich mein Passwort wechseln?
Und außerdem:
Wenn, dann wann…?
Dazu muss man sich zuerst überlegen, worin denn die Gefahr überhaupt besteht:
Das Passwort gerät in falsche Hände, was durch mehrere Dinge passieren kann:
- das Passwort wird geknackt[1]
- das Passwort wird bei unverschlüsselter Übertragung abgefangen
- man gibt das Passwort aus Versehen in ein Chat- oder InstantMessenger-Fenster ein[2]
- das Password wurde notiert und jemand bekommt Zugang zu der Aufzeichnung
- …
Es sind wirklich viele Gründe denkbar, die sich allerdings leicht in zwei Gruppen einteilen lassen:
- Technische Maßnahmen, wie Knacken oder Abfangen
- Zufällige Veröffentlichung bzw. Offenlegung
Gegen Punkt 1 kann man sich schützen, indem man das Passwort zum einen lang genug wählt und zum anderen darauf achtet, dass man nie über unverschlüsselte Verbindungen kommuniziert.
Gegen Punkt 2 kann man sich schützen, indem man Passworte nirgends notiert oder speichert und sie immer nur dann eingibt, wenn man sich sicher ist, wo sie ankommen werden.
Klingt leicht? Für geschätzte 95% der Internetnutzer ist es das aber nicht. Sie können das nicht sicher stellen und somit auch nicht ausschließen, dass das Passwort geknackt wird oder bekannt wird. Sie wissen nicht einmal um diese Gefahren.
Hier kommt wieder die Sache mit dem lästigen Wechseln der Passwörter ins Spiel.
Ich stelle mal ein paar Thesen als Faustregelvorschlag in den Raum[3] :
- Wenn l die Länge des Passworts ist, dann kann man annehmen, dass ein technisches System unter für mich schlechtesten Bedingungen das Passwort in folgenden Zeiten (die nur ein sehr grober Anhalt sein sollen) knacken wird:
Länge l in Zeichen Dauer 5[4] viel weniger als 1 Millisekunde 6 weniger als 1 Sekunde 7 5 Sekunden 8 100 Sekunden 9 50 Minuten 10 50 Stunden 11 500 Stunden 12 500 Tage 13 50 Jahre 14 1.000 Jahre 15 30.000 Jahre Daraus folgt für mich, dass ich mein Passwort nach etwa der Hälfte der hier angegebenen Zeit wechseln sollte.
- Weil niemand ausschließen kann, dass sein Passwort eventuell mal unverschlüsselt übertragen wurde, sollte man Passwörter einer gewissen Routine folgend mindestens halbjährlich wechseln. Das gilt nur, wenn dies nicht der Regel 1 widerspricht.
- Um nicht auf einen Schlag viele neue Passwörter kennen zu müssen, bietet es sich an, sich entweder eine Art Wechselplan zu erstellen, oder aber eine Systematik zu verwenden, bei der der Kern des Passworts für alle Situationen gleich ist und um Anwendungsspezifika ergänzt wird, z.B.:
Passwort – (/$)=/$)&%
abgeleitet – Win(/$)=/$)&%doof, Ma(/$)=/$)&%il, U(/$)=/$)&%ni, etc.
Unbefriedigend…? Ja, ich weiß, aber ich bin anscheinend nicht der einzige Mensch, dem das so geht und genauso wenig der Einzige, der keine bessere Lösung kennt, die nicht zusätzliche Ausgaben für Kartenleser, Smartcards und andere Spielereien bedeutet.
- Ich habe nicht die geringste Lust, darüber zu debattieren, wie wahrscheinlich es ist, dass der Ultra-Hacker mit der modernen Super-Hardware es ausgerechnet auf mein Passwort abgesehen hat und mit seiner Hochleistungsmaschine, die 10 Quadrilliarden Passwörter pro Sekunde rät, meinem paranoid langen Passwortsatz in Sekundenbruchteilen den Garaus macht. Die Gefahr existiert – irgendwo da draußen [↩]
- Das ist nicht unrealistisch sondern einem Bekannten kürzlich so ähnlich passiert [↩]
- Ich weiß, dass ich sie hinterher auch wieder wegräumen muss [↩]
- Ja, es gibt Leute, die so kurze Passwörter verwenden [↩]
